Geschichte 

 

Das organisierte Sammeln  von  Briefmarken hat in Zerbst eine lange Tradition. Schon im 19. Jahrhundert ist es in Zerbst ein

beliebtes Freizeit-Hobby gewesen. Im "Illustrierten Briefmarken - Journal" Jahrgang XVI Nr. 8 der Gebrüder Senf in Leipzig

vom 20. April 1889 ist bereits der " Verein der Zerbster Briefmarkensammler" benannt. ( Bild1). Ein Gründungsdatum konnte

nicht ermittelt werden.

Leider sind die Beweismittel, die dem Briefmarkenverein Zerbst/Anhalt e.V. für die darauf folgenden Jahre zur Verfügung stehen,

rar, da selten ein jahrelang aktiver Sammler seine Unterlagen dem Verein zur Verfügung stellt, ehe er seine Sammlung weiter vererbt oder sein Hobby aufgibt.

Ein weiterer Hinweis auf Aktivität des Zerbster Briefmarkenvereins ist eine Postkarte vom 24.02. 1923 mit dem Absender  "Verein für Briefmarkenkunde Zerbst", die uns leider nur als Kopie vorliegt. ( Bild2) Darauf realisiert der Tauschobmann des

Zerbster Vereins,  Herr Fritz Jensen auf ein Inserat eines Sammlers aus Eisenberg in der "Illustrierten Zeitung für Philatelie.

Joachim Els, langjähriger Vorstandsmitglied des Zerbster Briefmarkenvereins, weist in seiner " Entwicklung der Philatelie in

Zerbst/Anhalt nach 1945" auf die Adressbücher der Jahre 1928, 1930/31 und 1935 hin, in denen die Zerbster Briefmarkenfreunde und einige ihrer Vorsitzenden, sowie die Vereinslokale und Treffpunkte benannt sind. Weitere Quellen sind bis 1945 leider nicht bekannt.

"Die am 16. April 1945 erfolgte Zerstörung der mittelalterlichen Bauten der Altstadt von Zerbst durch anglo-amerikanische

Bomberverbände brachte dem größten Teil der Mitglieder nicht nur den Verlust ihrer so sehr geliebten Schätze, sondern auch

einigen den Verlust ihres Lebens.

Mit der Wiederaufnahme des Postverkehrs im Sommer 1945 wird auch die Sammelleidenschaft wieder erweckt.

Der 1. Jahrgang " Der Sammler-Express", das FACHBLATT FÜR PHILATELIE UND ANDERE SAMMELGEBIETE

erschien mit den 1. Heft im März 1947.

                                                                                          Bild 2

 

Im September 1946 bereits wird in Zerbst durch Herrn Günter Schmidt ein Treffen der interessierten Sammler in der

Gaststätte " Von Rephuns Garten" organisiert, das zur Neugründung einer Briefmarken-Sammlergemeinschaft unter seinem

Vorsitz führte. Weitere Vorstandsmitglieder waren die Sammlerfreunde Eickelberg, Polonius, Puhlmann und Eckinger.

Die Briefmarken-Sammlergemeinschaft unterstand zur damaligen Zeit der "Freien Deutschen Jugend", Stadtleitung Zerbst

(Bild 3) und hatte ihre monatlichen Zusammenkünfte im " Volkshaus", in der Fritz-Brandt-Straße.

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Bild 3   bitte anklicken                  Bild 4  bitte anklicken

1950/51 organisierten sich die Philatelisten im "Kulturbund zur demokratischen Erneuerung Deutschlands" als "Arbeitsgemeinschaft Philatelie" (AG), Ortsgruppe Zerbst.  Durch die Einführung des sog. "Sperrwertes" - Briefmarken in

geringerer Auflage, die vorwiegend über die Vereine verkauft wurden. - und der offiziell mögliche Tausch mit dem Ausland

 (Bild 4) über die AG, ließ die Mitgliederzahlen sehr stark ansteigen, so auch in der AG Zerbst.

Bereits Anfang der 50er Jahre war eine Jugendgruppe mit bis zu 30 Schülern unter der sachkundigen Anleitung der Bundesfreunde Otto Erfurt und Hagemann der Stolz der AG. Im April 1969 fand der Gründungskongress des Philatelieverbandes der DDR im Deutschen Kulturbund in Leipzig statt. Vertreter der Zerbster Sammler war der damalige

Kreisvorsitzende Joachim Els. Bis zur Wende waren alle Sammlerfreunde der AG und BAG Mitglieder des Verbandes.

 

Zur 1. Kreisverbandskonferenz im November 1970 gab es die

 

AG Zerbst                         Vorsitzender                     Reinhard Goldschmidt

BAG WMK/PVZ              Vorsitzender                     Friedrich Tschakert

BAG Rat des Kreises         Vorsitzender                    Gerhard Braunsdorf.

 

mit 149 Mitglieder, davon 27 Frauen und 27 Jugendliche.

 

Nach der Wende finden sich die Zerbster Sammlerfreunde im April 1991 zur Gründung eines neuen Vereins zusammen. Von den

ehemals über 100 Sammlern gründen noch 16 Verbleibende die " Arbeitsgemeinschaft Philatelie im Kulturbund e.V."

Den Vorsitz übernimmt der Sammlerfreund Friedrich Tschakert. Das neue Domizil für die monatliche Zusammenkünfte wurde

die "Villa Musik und Kunst".

1993 wird aus der Arbeitsgemeinschaft der "Briefmarkenverein Anhalt Zerbst e. V.", der beim Amtsgericht registriert und Mitglied im Landesverband der Philatelie Sachsen-Anhalt e.V. und im Bund Deutscher Philatelisten e.V. wird.

Nach der Umbenennung der Stadt hat auch der Verein seinen Namen in " Zerbst/Anhalt" geändert.

 

              

               Kulturfesttage

 

Im Februar 1966 wurden die 1. Zerbster Kulturfesttage mit der Ausstellung "Freizeit - Kunst und Lebensfreude" in der

"Erweiterten Oberschule Zerbst" durchgeführt. Der Kulturbund zur demokratischen Erneuerung Deutschlands, Ortsgruppe Zerbst, forderte die Philatelisten zur Teilnahme auf. Hier wurde in der Arbeitsgemeinschaft Zerbst der Beschluss gefasst, an den

kommenden Zerbster Kulturfesttagen mit Ausstellungsprojekten teilzunehmen.

1969 zu den IV. Zerbster Kulturfesttagen erschien nach einem Entwurf des Kunsterziehers Gerhard Schuboth der

1. Sonderstempel mit Butterjungfer, Pinsel und Zeichenfeder. (Bild 5) Seit dieser Zeit war der Briefmarkenverein

Zerbst/Anhalt e.V. und seine Mitglieder immer mit dabei und haben ihr Hobby präsentiert. Alle Interessenten aus dem

näheren, aber auch weiteren Umkreis waren eingeladen, sich diese Briefmarkenschau im Museum anzusehen. Dank der

Unterstützung der Stadt Zerbst und der Kreissparkasse konnte daraus bis heute eine schöne Tradition werden, die die

Aktivitäten der Briefmarkensammler zu den Zerbster Kulturfesttagen philatelistisch dokumentieren.

Jährlich gibt der Briefmarkenverein einen Schmuckumschlag und einen Sonderstempel heraus, die ein bestimmtes Motiv der Zerbster Kultur- und

Stadtentwicklung wiedergeben. Damit kann der Zerbster Briefmarkenverein auf eine Tradition verweisen, die in der Bundesrepublik Deutschland einmalig ist. Die am stärksten nachgefragten Briefumschläge in den letzten Jahren waren

die "Pferdebahn" von 2008 und der Umschlag "Katharina II." von 2012. (Bild 10 und 12)

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  Bild 5         Bild 10             Bild 12       Bilder bitte anklicken

 

               

               Betriebsarbeitsgemeinschaften

 

Bundesfreund Göritz gründete im Laufe des Jahres 1968 in der PGH "Elektro" die erste Betriebsarbeitsgemeinschaft = BAG

in Zerbst, die leider nur einige Jahre existierte. Am 31. 07. 1968 gründen die Sammlerfreunde F. Tschakert, L. Hanfland,

D. Falkiewicz, W. Dietrich und die Sammlerfreundin Wellmann die BAG "PVZ" (Plasteverarbeitung) Zerbst. In den folgenden

zwei Jahren kam es zu Gesprächen mit den Sammlerfreunden des Nachbarbetriebes WMK, ehem. WEMA, und in der Folge am 25.07. 1970 zur Bildung der BAG "WMK/PVZ". Den Vorsitz übernahm F. Tschakert, Stellvertreter wurde F. Melzer und

Kassierer und Rundsendeleiter L. Hanfland. Die BAG hatte am Jahresende eine Stärke von 18 Mitgliedern, die bis 1973 auf

26 Mitglieder anstieg. 1977 hatte die BAG bereits 2 Jugendgruppen mit 36 Schülern.

1979 stand "30. Jahre DDR", "10 Jahre Philatelistenverband im Kulturbund der DDR" und "10 Jahre BAG WMK/PVZ" als Leitmotto. Dazu gab es mehrere Belege und Sonderstempel (Bild 6) und die BAG übernahm die Gestaltung der Ausstellung zu den XIV. Kulturfesttagen. Nach der Wende wurden die Sammlerfreunde der Betriebsarbeitsgemeinschaften von der "Arbeitsgemeinschaft Philatelie im Kulturbund e.V." übernommen.

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Bild 6 bitte anklicken

 

              

                Aktivitäten

 

Die erste Briefmarkenausstellung fand im Rahmen der 1. Jugend-Kulturwoche Zerbst vom 12. bis 21. Oktober 1947 statt, organisiert von der Stadtleitung der FDJ-Zerbst, Ausstellungsort war das Eichamt am Weinberg.

Zur Tausendjahrfeier der Stadt Zerbst 1949 fand die zweite Briefmarkenausstellung nach 1945 in der damaligen Hilfsschule am Weinberg statt. Es gab ein Sonderpostamt und einen Sonderstempel der Stadt Zerbst mit der Inschrift "1000 - Jahrfeier

20.-23. August 1949 (19b) Zerbst". (Bild 7)

In den 50er Jahren wurden anlässlich des Reit- Spring- und Fahrturniers und des Zerbster Heimatfestes Briefmarken-Ausstellungen im Singesaal der III. Oberschule durchgebührt. Sonderstempel aus dieser Zeit zeugen noch heute davon.

In den 60er Jahren existieren in der AG Zerbst bereits mehrere Briefmarken-Ausstellungs-Objekte, so dass man sich auch zu anderen Anlässen und auch in anderen Orten an Briefmarken-Ausstellungen beteiligen konnte.

So gestalteten Sammlerfreunde zum Tag der Eisenbahner der DDR 1966 in Güterglück eine Ausstellung. Im Februar 1967 fand die "Kunst auf der Briefmarke" in der "Erweiterten Oberschule Zerbst" Beachtung. Im Oktober des gleichen Jahres wurde in der Bildungsstätte "von Rephuns Garten" zum "50. Jahrestag der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution " eine Sonderausstellung gezeigt, und im August 1968 nahmen Mitglieder der AG an der VII. Bezirksbriefmarkenausstellung in Blankenburg/Harz erfolgreich teil. Die 1. Kreisbriefmarkenausstellung konnte 1976 im Rahmen der XI. Zerbster Kulturfesttage gestaltet werden. 14 Erwachsene und ein Jugendlicher stellten sich der Bewertung.

Weitere Kreisbriefmarkenausstellungen konnten im Rahmen der Zerbster Kulturfesttage

1978   mit 11 Erwachsenen und  3 Jugendlichen

1981   mit 10 Erwachsenen und  9 Jugendlichen

1984   mit  9  Erwachsenen und  2 Jugendlichen

1988   mit 10 Erwachsenen und  2 Jugendlichen       durchgeführt werden.

Wenn man zu diesen Wettbewerbsausstellungen die seit 1969 durchgeführten Hobby-Schauen hinzurechnet, dann haben die Zerbster Sammler in all den Jahren zu den Zerbster Kulturfesttagen auf über 10.000 Albumblätter ihr Hobby gezeigt.

Aber nicht nur das Briefmarkensammeln brachte die Mitglieder zusammen. Gemeinsame Weihnachtsfeiern oder Jahresausklänge, sportliche Wettbewerbe mit den Partnern (bowlen) und Spargelessen  oder Grillabende im Mai, sowie gemeinsame Fahrten zu Ausstellungen waren und sind auch heute noch immer recht beliebt.

Leider konnte die Arbeit mit der Jugend nach der Wende nicht fortgesetzt werden. Die Mitgliederzahl hat sich auf ca. 20 Personen reduziert,  auch sie konnte trotz großer Anstrengungen nicht erhöht werden. Der Altersdurchschnitt ist dagegen erheblich angestiegen.

Die Vereinsmitglieder treffen sich monatlich am 4. Donnerstag im Gildehaus um 19:00 Uhr. Neugierige und Interessierte sind jederzeit gern gesehene Gäste. Zu den Zerbster Kulturfesttagen wird in der Regel am vorletzten Sonntag im Museum ein Tauschsonntag durchgeführt, der in den letzten Jahren zunehmend angenommen wurde und sich zu einem zusätzlichen Treff entwickelt hat. Es seien an dieser Stelle wieder alle Zerbster Briefmarkensammler, die immer noch allein zu Hause sammeln, dazu aufgerufen, in unserem Verein mitzumachen und die Vorteile einer Mitgliedschaft zu nutzen.

          - jedes Mitglied

             erhält kostenfrei durch Postzustellung die interessante Fachzeitschrift "philatelie",

             ist berechtigt einmal jährlich eine Kleinanzeige kostenlos in der "philatelie" zu veröffentlichen,

             hat eine Rechtsschutz-Versicherung für eventuelle Rechtsfolgen auf philatelistischem Gebiet und

             kann am Rundsendedienst teilnehmen.

 

Es können an dieser Stelle nicht alle Vorteile im Einzelnen genannt werden. Aus persönlicher Erfahrung ist ein Sammeln, allein im stillen Kämmerlein, langweilig. Erst in der Gemeinschaft können Ideen und Erfahrungen ausgetauscht werden, was den Spaß ausmacht und es lassen sich dadurch viele Fehler vermeiden.

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    Bild 7     bitte anklicken

 

            

                Partnerschaften

 

Bereits 1975 erfolgten erste Kontakte der BAG WMK/PVZ zum Vorsitzenden Bdfr. Günter Ertel von der  " BAG VEB Leichtbaukombinat Leipzig" zu einem Erfahrungsaustausch , woraus sich bis zur Auflösung der volkseigenen Betriebe nach der Wende eine innige Partnerschaft, ja Freundschaft entwickelte, die zwischen den ehemaligen Vorsitzenden bis heute andauert.

Im September 1991 kam es zu einer Partnerschaft mit dem "Briefmarkenverein für Briefmarkenkunde Jever und Jeverland".

Zu dem 27. Zerbster Kulturfesttagen im folgenden Jahr nahmen die Jeveraner Freunde auch an der Briefmarken-Ausstellung teil. (Bild8) Es folgten Besuche und Gegenbesuche in der kommenden Zeit. Dennoch sind nach der Neuwahl des Vorstandes in Jever die Beziehungen trotz wiederholter Vorstöße durch Zerbst relativ schnell wieder eingeschlafen und konnten bis heute nicht wieder geweckt werden.

Ganz anders entwickelte sich die Partnerbeziehung mit Nürtingen. Nachdem der erste Besuch der Zerbster 1992 erfolgte, fanden wiederholt Besuche und Gegenbesuche sowie gemeinsame Ausstellungen (Bild 9) in der kommenden Zeit in beiden Orten trotz der weiten Entfernung statt. Dabei entwickelten sich nicht nur die offiziellen Beziehungen, sondern es bildeten sich persönliche Freundschaften, die bis heute Bestand haben (Bild 11). Lediglich das Alter und die Gesundheit, sowie die Entfernung spielen eine kleine negative Rolle. 

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      Bild 8                        Bild 9                    Bild 11        Bilder bitte anklicken

 

                

Eine Bitte besonders an die älteren Leser des Heimatkalenders: Sollte in Ihrer Familie einst ein Sammler gelebt haben und Sie haben noch Unterlagen ( Einladungen, Aufzeichnungen von ihm oder anderen Schriftwechsel), der mit dem Zerbster Briefmarkensammeln in Zusammenhang steht, wären wir sehr dankbar, wenn wir für den Verein Kopien fertigen dürfen. Ich warte auf Ihren Anruf unter der Telefon-Nr.: 03923 - 2035

- Joachim Els - Entwicklung der Philatelie in Zerbst/Anhalt nach 1945

- D. Ecklebe, Vorsitzender des Landesverbandes der Philatelisten in Sachsen-Anhalt e.V.:

                      Sachsen-Anhalt-Kurier Heft 82 (2/2012( vom Juni 2012,  S. 6/8

. F. Tschakert - Zerbster Heimatkalender 2013,  Seite 80